Jana, Hamburg

Die Geburt begann nach einer richtig schönen Schwangerschaft ohne große „Zipperlein“ (von Sodbrennen mal abgesehen) 16 Tage nach dem errechneten Termin mit einem Blasensprung an einem Montag um ca. 5.15 Uhr.

Davon ausgehend, dass die Wehen auf sich warten lassen, habe ich mich noch mal ins Bett begeben um noch eine Mütze voll Schlaf mitzukriegen. 2 Wehen und ca. 6 Minuten später fand ich das Bett nicht mehr ganz so angenehm und bin durch die Wohnung getigert, die Wehen kamen ab dann alle 2 Minuten und waren schon ganz schön schmerzhaft. Na toll, nichts mit noch mal gemütlich frühstücken oder spazieren gehen...

Drei Stunden später habe ich unsere Hausgeburtshebamme Petra davon unterrichtet, dass ich einen Blasensprung hatte und seit 3 Stunden regelmäßige Wehen habe, die mittlerweile immer schwieriger zu veratmen waren, aber ich bin immer noch nicht davon ausgegangen, dass das schon Eröffnungswehen sein könnten. Sie meinte, ich solle doch noch mal versuchen spazieren zu gehen und gemütlich frühstücken, sie kommt dann so gegen 13 Uhr zur Herztonkontrolle oder bei Bedarf jederzeit früher. An frühstücken war nicht zu denken, mir war speiübel und spazieren gehen konnte ich mir gleich gar nicht vorstellen. Also habe ich’s mir in der Badewanne gemütlich gemacht so gut das eben möglich war. Da waren die Wehen zwar genauso schmerzhaft, aber in den Pausen konnte ich viel besser entspannen.
Irgendwann gegen 9 oder 10 ist Michael aufgestanden und fand mich schwer atmend in der Badewanne vor. Auf die Frage, ob er irgendwas für mich tun kann, erntete er ein:      „Ja, lass mich in Ruhe“ und bekam direkt mit wie ich mich während einer Wehe übergeben musste. Danach hab’ ich mich selbst untersucht und kam auf eine Muttermundsöffnung von 3 cm und ab da hatte ich keine Lust mehr und habe mich schon mit Klinikgeburt und PDA abgefunden, eigentlich sehnte ich nur noch Petra herbei. Sie kam dann auch gegen 13 Uhr (oder war’s 12? Mein Zeitgefühl war ab etwa 10 Uhr nicht mehr existent, deswegen kam mir die Geburt auch gar nicht lang vor) und ich begrüßte sie mit den Worten „Ich kann nicht mehr“. Daraufhin hat sie mich untersucht und festgestellt, dass der Muttermund fast vollständig war. Dann gings mir psychisch auch gleich besser und ich konnte das ganze unter „Übergangsphase“ abspeichern. Petra meinte nur, dass ich mich nicht zu sehr freuen soll von wegen kurze Eröffnungsphase, lange Austreibungsphase – wie recht sie hatte!!!

Michael hat dann in unser extra dafür gemietetes Gebärbecken Wasser eingelassen (er sagt, ab diesem Zeitpunkt kam er sich nicht mehr überflüssig vor und ich habe ihn ab da auch wirklich – u.a. für Rückenmassagen - gebraucht) und ich bin ein bisschen in der Wohnung rumgelaufen. Ca. eine halbe Stunde später hatte ich das erste Mal das Gefühl mitschieben zu müssen. Petra hat dann die zweite Hebamme und die Praktikantin dazugerufen und ab deren Ankunft um ca. zwei ließen meine Wehen nach, ich hatte dann vielleicht alle 5 Minuten Wehen, die auch noch verdammt kurz waren. Die Hebammen dachten, es liegt an ihnen und gingen in die Küche. Michael und ich (mittlerweile im Gebärbecken) arbeiteten uns also zu zweit von Wehe zu Wehe mit mal mehr mal weniger Pressdrang.

Es war so angenehm zu wissen, dass ich tun und lassen kann was ich will, die Hebammen bei Bedarf rufen kann und Michael da ist. Eine Stunde später hat Petra noch mal untersucht und kam auf den gleichen Befund, die Wehen waren auch immer noch so kurz und selten. Und obwohl das Mitschieben sehr erleichternd für mich war, hatte ich jetzt nach jeder Wehe arge Schmerzen am Schambein. Also raus aus der Wanne und turnen und Äpfelschütteln für eine ganze Weile. Die tiefe Hocke bewirkte dann, dass der Schambeinschmerz weg war und der Kopf ein bisschen tieferrutschte. Ich wollte dann wieder in die Wanne und dort ist unser Sohn dann schließlich um 18.50 Uhr in der tiefen Hocke in Michaels Hände geboren (mit total viel Käseschmiere und so gar nicht übertragen aussehend). Ich habe mir dann unser Kind aus dem Wasser genommen und erst mal nachgesehen, ob’s ein Junge oder ein Mädchen ist – eindeutig ein Junge und ebenso eindeutig über 4 Kilo schwer (was die Waage später mit 4300g bestätigte). Er war ganz ruhig und wirkte sofort auf dieser Welt „angekommen“ – hat sich ja auch ordentlich Zeit gelassen. Die Plazenta ist dann ganz unkompliziert im Stehen mit der nächsten Wehe in der Wanne geboren.

Zusammenfassend war es soooo unbeschreiblich schön unser erstes Kind zu Hause zur Welt zu bringen, dass ich es eigentlich gar nicht in Worte fassen kann. Die Hebammen waren sehr entspannt trotz der langen Austreibungsperiode, der kurzen Wehen bis zum Schluß und wussten genau, wann ich sie brauchte bzw. wann sie sich besser zurückziehen. Und auch jetzt noch - ein Jahr nach der Geburt – zaubert mir der Gedanke an die Geburt ein breites Lächeln ins Gesicht... Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen als zur Hausgeburtswiederholungstäterin zu werden (und das als Kreißsaalhebamme ;-)), sollte noch ein Kind zu uns kommen wollen!

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